West Fraser, einer der größten Schnittholzproduzenten Nordamerikas, hat seine Forest & Procurement Policy veröffentlicht. Das Dokument legt dar, nach welchen Kriterien der Konzern Rohholz beschafft und eigene Forstflächen bewirtschaftet. Für europäische Einkäufer und Sägewerk-Betreiber, die nordamerikanisches Brettschichtholz oder Konstruktionsvollholz beziehen, ist der Blick hinter die Kulissen relevant – denn zwischen Selbstverpflichtung und Praxis klaffen oft Lücken.

Die Policy verpflichtet West Fraser zur Einhaltung von Zertifizierungsstandards wie FSC und SFI (Sustainable Forestry Initiative) sowie zur Vermeidung illegaler Holzquellen. Das Unternehmen gibt an, ausschließlich aus Wäldern zu beschaffen, die nach regionalen Forstgesetzen bewirtschaftet werden, und keine Rohstoffe aus Gebieten mit hohem Schutzwert (High Conservation Value Forests) zu verwenden. Zudem soll die forstliche Umtriebszeit so gewählt werden, dass die CO₂-Bindungsleistung maximiert wird.

In der Praxis bleibt jedoch unklar, wie rigoros diese Regeln umgesetzt werden. Die Policy nennt keine konkreten Audit-Intervalle, keine unabhängigen Kontrollstellen und keine öffentlich einsehbaren Datenbanken zur Rückverfolgbarkeit einzelner Lieferketten. Auch fehlt eine Aussage zur Biodiversität auf bewirtschafteten Flächen und zur Wiederaufforstungsquote nach Kahlschlägen. Für Abnehmer in der EU, die unter der EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) selbst Due-Diligence-Pflichten haben, reicht die bloße Versicherung „wir halten uns an Gesetze" oft nicht aus – gefordert sind nachprüfbare Prozessdaten.

Besonders kritisch ist die Transparenz bei Subunternehmern und regionalen Contractors, die im Auftrag von West Fraser Holz einschlagen. Hier fehlt in der Policy jede konkrete Verpflichtung zur Schulung oder zur Compliance-Überwachung. Auch die Frage, wie West Fraser mit Konfliktholz aus indigenen Territorien umgeht – ein hochsensibles Thema in Kanada –, wird nur allgemein adressiert, ohne Mechanismen zur Konfliktlösung zu benennen.

Für Einkäufer von Brettschichtholz und Konstruktionshölzern aus Nordamerika bedeutet das: Die Policy ist ein Signal, aber kein Freifahrtschein. Wer als Holzbauunternehmen oder Sägewerk in Europa auf Nummer sicher gehen will, sollte zusätzlich FSC-Mix- oder FSC-100%-Zertifikate verlangen und die Chargennummern im CoC-System rückverfolgen. Auch die Anforderung von Drittpartei-Audits oder die Verknüpfung von Lieferverträgen mit messbaren Nachhaltigkeits-KPIs kann helfen, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen.

West Fraser selbst betont, die Policy sei ein „living document", das regelmäßig überarbeitet werde. Die nächste Revision ist für 2027 angekündigt. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob aus Selbstverpflichtung messbarer Impact wird – oder ob das Dokument vor allem der Reputation dient. Die vollständige Forest & Procurement Policy ist auf der Website von West Fraser einsehbar.

Weitere Informationen zur Rohstoffbeschaffung und Waldentwicklung finden Sie in unserem Themendossier. Auch die Nordexpansion europäischer Sägewerke zeigt, wie wichtig transparente Lieferketten in der globalen Holzwirtschaft geworden sind.